El-Aurian

Alter: 30
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Jaaa juhu, endlich stellt mal jemand eine erkenntnistheoretische Frage
Mein Fachgebiet (als Philosophiestudent)
Zitat: Gibt es Messwerte, die unabhängig von unserer (naturwissenschaftlichen) Weltanschauung sind?
Das Problem ist, dass man immer einen Bezug haben muß auf etwas, wenn man etwas mißt. Mißt man Wärme muß ich fragen: warm in Bezug auf was? Messe ich Geschwindigkeit, muß ich fragen, schnell in Bezug auf was? Von daher ist die Frage eigentlich relativ schnell beantwortet. Ich würde sagen, nein.
Zitat: Wir können nur innerhalb unserer Theoriegebäude die Welt interpretieren, aber niemals über die Vorstellungskraft des menschlichen Hirns rauskommen.
Das ist in der Tat knifflig, weil hier ein großes erkenntnistheoretisches Gebiet betreten wird, denn es läuft auf die Frage hinaus, was können wir eigentlich wissen? Und diese Frage ist einer der großen Gebiete der Philosophie, über die schon ganze Regale von Büchern geschrieben wurden
Somit ist diese Frage in der Tat nicht in einem Satz zu beantworten, hier wurden aber schon einige gute Denkanstöße gebracht, gehen wir mal der Reihe nach vor:
Zitat: Jeder Mensch ist einzigartig dadurch ergiebt sich das man die "Art" des anderen nicht messen kann bsp. ob und wie er verschiedene sach (z.B.Musik) interpretiert.
Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass ich in der Tat nicht hundertprozent wissen kann, was mein Gegenüber empfindet. Diese Ansicht ist in der Philosophie recht verbreitet, auch ich würde mich dem auf jeden Fall anschließen. Das fällt eher in den Bereich Idealismus, also die Vorstellung, dass es (so gut wie) nur Geist gibt und keine Materie. Dem stimme ich aber nicht zu.
Zitat: Nein gibt es nicht, denn der Mensch ist selbst zu 100 % ein physikalisches Phänomen. Soetwas wie die Seele gibt es nicht und ja klar könnte man einen Menschen beschreiben.
Diese Ansicht ist weit verbreitet, besonders unter Naturwissenschaftlern. Ihr habt die Antwort ja schon vorneweggenommen. Problem beim materialistischen Monismus ist eben das genannte Beispiel. Farben, Musik, etc empfindet jeder Mensch anders. Wie ist das aber möglich, wenn sich der Mensch physikalisch beschreiben läßt? Dann müßte jeder Mensch doch (ähnlich wie eine Maschine -> Funktionalismus) wie ein Apparat funktionieren. Ich für meinen Teil lehne reinen materialistischen Monismus ab.
Zitat: Ich müsste schon einen zweiten Apparat haben, der mich mithilfe der Scan-Informationen in genau den Zustand versetzt, den der Gescannte hatte, als er das Ereignis wahrnahm. Ich erlebe dann aber nicht die Situation, die er erlebte selbst, sondern bin er in dieser Situation, was ein kleiner aber feiner Unterschied ist. Ich könnte also auf diese Art und Weise niemals selbst erleben, was er erlebte und das was ich durch diesen Versuchsaufbau erlebe werde ich niemals in der Realität erleben können.
Dieses Problem wird oft in Filmen oder Serien (Star Trek) aufgegriffen. Wäre man in der Lage, einen "künstlichen" Menschen zu erschaffen, was ja de facto wohl nicht in allzu ferner Zukunft möglich sein wird, kann man diesem ebenfalls eine Seele zusprechen? Und damit haben wir einen Zirkelschluß, denn wir sind wieder da wo wir vorher waren. Denn auch wenn es mir gelingt einen künstlichen Menschen zu erschaffen, so weiß ich immer noch nicht, wie er empfindet (wenn es mir gelingt, sowas wie "Empfindung" nachzuahmen) Hätte ich also eine exakte Kopie meine selbst erschaffen, kann ich AUCH DANN nicht wissen, was er empfindet. Somit wird dieses große Problem der Erkenntnistheorie sich so schnell nicht lösen lassen.
Wer mehr darüber wissen will, googel mal unter "Leib-Seele-Problem"
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Nicht der Schwule ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (Holger Radtke) |
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