Glaskocher
Hier seit: 02.05.2008
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Wohnort: Leverkusen

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Dein Video zeigt, wie Du die Ampullen vorbereitest. Allerdings zeigt es auch einen zur Glasbearbeitung wenig geeigneten Arbeitsplatz. In halber Hockstellung ist das Arbeiten extrem unbequem und ermüdend. Auch die Formgebung rein an Schwerkraft und Viskosität zu delegieren finde ich weniger gut.
Stelle den Brennerständer auf eine Tischkante und befestige ihn gegen Umfallen. Mit aufgesetzten Ellenbogen solltest Du das Glas bequem im Feuer halten können. Der Tisch ist mit einer Holzplatte gegen Brandflecke abgedeckt, ersatzweise gehen auch Rigipsplatten (kartoniert) oder der Königsweg, eine Metallplatte. Lege Dir einen durchbohrten Korken mit einem geraden Glasrohr zurecht, der zur Öffnung des Reagenzglases passt. Jetzt wird das verkorkte RG horizontal drehend so erhitzt, daß der Korken nicht verkokelt. Durch das Unterstützen am Rohrende und am Boden des RG kann man das Glas zunächst vorsichtig etwas stauchen, wobei sich die Wand verdickt. Dieser Bereich wird jetzt innerhalb der Flamme langsam kollabieren gelassen und erst dann AUSSERHALB der Flamme etwas in die Länge gezogen. Dadurch erhält man eine Verjüngung mit größerer Wandstärke, die das spätere Abschmelzen erleichtert und die Haltbarkeit verbessert. Zuletzt wird die Flamme auf volle Leistung gestellt und die Luftschlitze etwas verschlossen. Die jetzt gelb leuchtende Flamme wird benutzt, um den bearbeiteten Bereich dick einzurußen. Der Ruß läßt sich später leicht wieder abwischen. Dieses Einrußen dient zum Tempern, also entspannen des Werkstückes. Ansonsten verbleiben permanent Spannungen im Übergang zum Hals der Ampulle. Mit viel Erfahrung kann man das Glas auch dort in der (unveränderten) Flamme tempern, wo die Flammfärbung durch Natrium erlischt.
Das spätere Abschmelzen setzt den Vorgang des Verjüngens durch gleichzeitiges Kollabieren und Ausziehen dann fort. Der sich bildende Glasfaden wird innerhalb der Flamme zerreißen gelassen, um die Enden rund zu schmelzen.
Dabei wird die, jetzt zum Teil gefüllte, Ampulle schräg nach oben gehalten, damit der Inhalt nicht ausläuft oder die erhitzte Glaswand avschreckt.
Die Brennerflamme war im Video nahezu unsichtbar. Das Tageslicht hatte das Eigenleuchten der Flamme überstrahlt. Vom Geräusch her warst Du öfter mal im leuchtendblauen Kegel der Flamme. Da drin hat das Werkstück nichts zu suchen, da die größte Hitze erst knapp hinter dieser Spitze erreicht wird. Eine Schweißerbrille ist für diese Arbeiten eher suboptimal, da sie das gesamte Spektrum, speziell den roten Bereich, stark herausfiltert. Eine Brille mit Neodymgläsern ist deutlich besser, da sie selektiv das Natriumgelb aus der Strahlung eliminiert. Für Gelegenheitsarbeiten tut es auch eine normale Laborbrille, die gegen fliegende Splitter schützt.
Wenn Du die Länge eines Reagenzglases ganz ausnutzen willst dann kannst Du, mit einiger Übung, auch ein Zweites oben dran schweißen. Dazu würde ich dem "Hilfsglas" zuerst den Boden erhitzen und diesen zur "Seifenblase" aufblasen. Diese Blase wird zerschlagen und die Ränder rund geschmolzen. Jetzt werden beide Teile in die Hand genommen und gleichzeitig an ihren Rändern erhitzt. Die erweichten Ränder werden aneinender gesetzt und außerhalb der Flamme leicht hinein geblasen. Das Glas darf sich etwas über den Originaldurchmesser ausdehnen. Durch erneutes Erhitzen wird das Rohr wieder auf den Originaldurchmesser zusammen sinken gelassen. Jetzt wird knapp unterhalb der Verbindung die Verjüngung erzeugt. Die Schweißnaht sollte dabei oberhalb der späteren Trennstelle liegen. Zu dieser Arbeit bitte immer zwei Gläser mit BEKANNT gleichem Material verwenden. Es klappt vermutlich nicht so gut mit DURAN 3.3, wahrscheinlich besser mit FIOLAX.
Ich arbeite selber sowohl an der Lötlampe alsauch mit einem Propan-Sauerstoff-Brenner. Im Moment übe ich mich darin, Glasrohre möglichst nahtlos zu verbinden. Aber es reicht zumindest, um kleinere Kunstgegenstände zu formen. Mein "eigentliches" Hobby ist Glasperlen machen.
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