۞ Versuchschemie.de :: - Giftigkeit des Roten Fingerhuts im Garten
Zum Portal Experimente Periodensystem Über_VC Foren-Index Suche
    Registrieren      Login        
Neues Thema eröffnenNeue Antwort erstellen Printable version
Autor Nachricht
Chemie-Scout



Alter: 21
Hier seit: 06.04.2008
Beiträge: 84

blank.gif
Verfasst am: 18/2/2010, 23:31  Titel:  Giftigkeit des Roten Fingerhuts im Garten Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Hi,

ich habe bisher durchwegs nur gelesen, dass der Rote Fingerhut im Garten giftig sein soll. Da ich neulich aber in alten Büchern gelesen habe, dass nicht-wildwachsende Fingerhutpflanzen ihre Giftigkeit auf Grund schlechterer Bodenbedingungen verlieren (die wachsen ja bevorzugt in Gebirgsregionen) und ich dem alten Wissen mehr traue als neuer Panikmache, wollte ich hier mal fragen, ob einer von euch sich vielleicht damit auskennt.

Das würde mich nämlich wirklich interessieren. Ich hatte eigentlich mal vor, mir Samen zu kaufen und Extraktionen durchzuführen, aber wenn der Wirkstoffgehalt in den Gartenpflanzen geringer ist, werde ich das wohl lassen.

Es gibt ja auch diese Pfeilgiftfrösche, die in Zoos ungiftig werden, weil sie dort die Insekten, die sie in ihrem natürlichen Lebensraum brauchen, um ihr Gift zu bilden, nicht bekommen.
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
snigschn



Alter: 24
Hier seit: 20.01.2006
Beiträge: 300
Wohnort: Nürnberg
germany.gif
Verfasst am: 18/2/2010, 23:46  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Eins vorweg. Ich habe kein wirklich fundiertes Wissen über Pflanzen.
Aber der Fingerhut, ist in seinen Standortansprüchen wohl wenig wählerisch (besiedelt viele Brache Flächen und Sandböden). Ich bin mir fast sicher, dass der Fingerhut im Garten, wenn überhaupt nur ein bisschen weniger "giftig" ist wie der im Gebirge.
Er ist ja vor allem ein lange bekanntes Arzneimittel und ich glaube wohl kaum, dass Apotheker und Mediziner die Pflanzen alle aus dem Gebirge geholt haben Wink
Gerne darfst du aber im Selbstversuch feststellen, was Sache ist und das Ergebnis dann posten, wenn du kannst Smile
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
Glaskocher




Hier seit: 02.05.2008
Beiträge: 593
Wohnort: Leverkusen
germany9.gif
Verfasst am: 18/2/2010, 23:55  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Ich gehe mal davon aus, daß Fingerhut immer, mal mehr, mal weniger von seinem Gift enthält. Das mit dem Wachsen ausschließlich in Gebirgsregionen kann ich nicht bestätigen. Digitalis purpurea wächst auch an Waldrändern, auf Lichtungen und gelegentlich auf Schotterflächen. Erkundige Dich mal in einem guten Pflanzenbestimmungebuch über die bevorzugten Böden. Das hilft beim Anbau im Garten.

Erkundige Dich auch über den Gehalt an Wirkstoffen, ihre Wirkung und die "Therapeutische Bandbreite", bevor Du mit der Extraktion beginnst. Die TB bezeichnet die Spanne sn Dosierungen, die wirksam, aber nicht vergiftend sind. Überlege, ob Du ausreichend sicher arbeiten kannst, um weder Dich noch Deine Umgebung zu schädigen. (Deutsches Arzneibuch lesen)

Es ist schon ein Unterschied, ob ein Organismus die Stoffe selber synthetisiert (Fingerhut und fast alle Pflanzen) oder sie mit der Nahrung aufnimmt und "recycelt". Siehe Paprikapulver für Flamingos im Zoo...
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
Chemie-Scout



Alter: 21
Hier seit: 06.04.2008
Beiträge: 84

blank.gif
Verfasst am: 19/2/2010, 00:18  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Ich habe ja nur "bevorzugt" geschrieben, nicht, dass die da ausschließlich wachsen.

Ausschlaggebend für den Thread sind diese Bücher:

 http://books.google.de/books?id=Eug8AAAAcAAJ&pg=PA43&dq=digitalis+purpurea+pharmacie+garten&as_brr=1&cd=1#

 http://books.google.de/books?id=7YgaAAAAYAAJ&pg=PA337&dq=fingerhut+giftig&as_brr=1&cd=10#v=onepage&q=fingerhut%20giftig&f=false
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
snigschn



Alter: 24
Hier seit: 20.01.2006
Beiträge: 300
Wohnort: Nürnberg
germany.gif
Verfasst am: 19/2/2010, 10:15  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Nichts gegen ältere Schriften/Veröffentlichungen,
Aber: 1826. Ich glaube, da sind neuere Erkenntnisse über jeden Zweifel erhaben.
Vor allem, da man generell für alles eine Veröffentlichung findet, die man zitieren kann. Egal ob sie stimmt oder nicht.
Noch verstärkt wird das dadurch (das passiert aber meiner Ansicht nach erst in der neueren Zeit), dass Autoren oft einfach voneinander abschreiben, wodurch sich Fehler hartnäckig halten.
Jedoch bin ich gerne bereit zu glauben, dass sich die Giftigkeit, bzw. der Alkaloidgehalt im Garten reduziert.
Man muss aber auch bedenken, dass das im Garten ja gezüchtete Formen sind, die vielleicht mit der um 1800 nicht mehr viel gemeinsam haben.
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
Chemie-Scout



Alter: 21
Hier seit: 06.04.2008
Beiträge: 84

blank.gif
Verfasst am: 19/2/2010, 10:36  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

snigschn hat geschrieben:
Jedoch bin ich gerne bereit zu glauben, dass sich die Giftigkeit, bzw. der Alkaloidgehalt im Garten reduziert.


Die wirksamen Inhaltsstoffe sind hier aber keine Alkaloide. Wink
Es sind die Digitalisglycoside. Theoretisch müsste das durch die Optimierung der Bodenbedingungen an den natürlichen Lebensraum aber doch wieder ausgleichbar sein. Die Pfanze wird sich ja wohl kaum denken: "Jetzt bin ich in einem Garten. Da werden keine Digitalisglykoside produziert."

snigschn hat geschrieben:
Man muss aber auch bedenken, dass das im Garten ja gezüchtete Formen sind, die vielleicht mit der um 1800 nicht mehr viel gemeinsam haben.


Wie meinst du das? Dass man sie so gezüchtet hat, dass sie kein Gift mehr erzeugen oder genau das Gegenteil?
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
snigschn



Alter: 24
Hier seit: 20.01.2006
Beiträge: 300
Wohnort: Nürnberg
germany.gif
Verfasst am: 19/2/2010, 10:46  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Ich meine nur, dass man sie wahrscheinlich gezüchtet hat (andererseits verändert sich Arten auch von selber, und 200 Jahre...)
Wahrscheinlich, dass sie toll aussieht, oder was weiß ich.
Aber dadurch können sich auch andere Eigenschaften der Pflanze verändert haben, so dass das was vielleicht 1800
beobachtet hat, heute vielleicht nicht mehr so streng gelten muss, da es ja eine andere Rasse ist.
Danke für die Glykoside Smile
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
Chemie-Scout



Alter: 21
Hier seit: 06.04.2008
Beiträge: 84

blank.gif
Verfasst am: 19/2/2010, 10:51  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Ich werde mich mal intensiver damit auseinandersetzen und schauen, ob ich da vielleicht einen Experten auftreibe. Ansonsten wird der frei wachsende Fingerhut immer noch giftig sein. Dann passt man den Boden eben so an, dass er dem Vorbild der Natur möglichst nahe kommt.

Auf manchen Pflanzenseiten steht aber, der Fingerhut sei hochgiftig, bei anderen wiederum steht nur, dass man "besser vorsichtig sei", währen hingegen Eisenhut z.B. als hochgiftig angesehen wird.

Was mich nur wundert ist, dass der Fingerhut nicht so wählerisch sein soll. Dann scheinen vielleicht auch andere Naturformen ihre Wirkung zu verringern, wenn die alten Berichte wirklich stimmen sollten.
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
Vanadium



Alter: 17
Hier seit: 22.03.2008
Beiträge: 842
Wohnort: Bayern
ireland.gif
Verfasst am: 19/2/2010, 12:20  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Mal ne kurze Frage: Ich kann doch statt Diethylether/Dichlormethan auch Methyl-tert-butylether für eine Säure- Base- Extraktion als unpolares Lösungsmittel für Alkaloide verwenden oder?
_________________
Freiheit schützt man nicht, indem man sie abschafft!
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
Atropinsulfat




Hier seit: 25.04.2004
Beiträge: 2868

blank.gif
Verfasst am: 19/2/2010, 13:09  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Also Fingerhut wird in großem Maßstab industriell zur Cardenolidgewinnung angebaut und ist in dieser Form natürlich immer noch giftig.

Schließlich will man ja die Herzglycoside isolieren.
_________________
Gute Wörter für Scrabble 1.:
Glycindecarboxylaseserinhydroxymethyltransferasekomplex
VerstecktBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Autor Nachricht
Stickstoffdioxid




Hier seit: 02.11.2009
Beiträge: 217

blank.gif
Verfasst am: 19/2/2010, 15:28  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

In der "Flora von Deutschland" heißt es, er wüchse auf Kahlschlägen und buschigen Abhängen, besonders in Gebirgsregionen, und eine weitere Verbreitung wird nicht ausgeschlossen. Meiner Erfahrung nach kann er überall wachsen, wo er auch nur im Entferntesten ähnliche Bedingungen vorfindet: Ich sah ihn u.A schon mal an einem Hang in einer stillgelegten Kiesgrube im Wald, an einem Hang am Waldrand, und auch einmal an einem Wegrand in einem Kiefernwald (Das Gelände war ursprünglich Heide, die erst vor ca. 90 Jahren aufgeforstet wurde; daher ist der Boden dort sehr sandig). Alle Standorte lagen im nicht sonderlich alpinen Schleswig-Holstein, sodass richtige Gebirgsverhältnisse anscheinend nicht notwendig sind, sondern nur eine gewisse Ähnlichkeit zu diesen bestehen muss. Wenn es den Pflanzen an gennanten Standtorten nicht behagt hätte, so hätten sie das wohl durch Kümmerwuchs gezeigt; sie waren aber alle bestens entwickelt.

Ein weiterer Grund für die Annahme, dass der Rote Fingerhut sein Gift auch ohne Gebirgsuntergrund bildet, ist, dass wohl weder in den Arzneigärten der Vergangenheit, noch in heutiger Zeit, jemand gewillt gewesen wäre, solche Verhältnisse nachzustellen.

Ich denke, ein geringerer Giftgehalt von Gartenpflanzen findet seine Ursache darin, dass der Fingerhut Kalkböden meidet. Gerade in früherer Zeit wurden die Gartenböden oft kräftig gekalkt.

PS.: Heutzutage (!) wird zur Medikamentenherstellung vorallem der Wollige Fingerhut, Digitalis lanata, der auf dem Balkan beheimatet ist, und nur an einigen Orten in Deutschland verwilderte, verwendet.
OfflineBenutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden  Display: 13781
Neues Thema eröffnenNeue Antwort erstellen



Software: p-h-p-B-B-2 plus 1 Punkt 5