lemmi

Alter: 48
Hier seit: 13.02.2011
Beiträge: 1019

|
|
Hallo Uranylacetat und sonstige Luminol-Fans,
ich habe auch nochmal etwas experimentiert und noch ein paar Katalysatorren ausprobiert. Hier die Resultate:
Erst stelle ich nochmal bessere Bilder des Versuchs der Katalyse mittels Cu-Draht ein. Der Ansatz besteht aus einer Prise (geschätzt 5-10 mg) Luminol in 5 ml Ammoniak 2%, Wasser ad 50 ml + 1 ml 10%iges H2O2. Dahinein wird ein Kupferdraht eingestellt. Sofort leuchtet der Draht hellblau auf. Dann beginnt eine Gasentwicklung und am Draht steigen leuchtende Schlieren auf:
Wenn man etwas rührt, wird die Gasentwicklung stärker und das Leuchten erlischt von oben her:
Wenn die Lumineszenz ganz beendet ist, hat man bei Tageslicht eine leicht bräunlich gefärbte Flüssigkeit vorliegen:
Das Luminol ist aber noch lange nicht verbraucht. Gibt man zu der Flüssigkeit 0,5 ml 10%iges H2O2 und rührt um, so tritt für ca 2 Sekunden eine starke hellblaue Chemolumineszenz auf, die unter Aufschäumen sogleich verblasst. Dies lässt sich mehrfach wiederholen.
Offenbar ist es bei dieser Versuchsanordnung so, daß der katalytisch wirkende [Cu(NH3)4]2+-Komplex auch das Wasserstoffperoxyd zersetzt, so daß das Leuchten aus Mangel an H2O2 erlischt und nicht durch Substratverbrauch oder unwirksam-werden des Katalysators.
Das hat mich auf die Idee gebracht, andere Schwermetallkomplexe zu versuchen. In jeweils 50 ml eines Ansatzes aus einer Prise Luminol (5-10 mg) in 10 ml 1N-NaOH, Wasser ad 200 ml + 1 ml H2O2 10% habe ich folgende Effekte hervorrufen können:
mit Fehling´scher Lösung (Kupfer-Tartrat-Komplex): kräftiges, kurz anhaltendes Leuchten.
mit Benedikts Reagenz (Kupfer-Citrat-Komplex): kräftiges, länger anhaltendes Leuchten
Einen interessanten Effekt bemerkte ich, als ich eine Katalysatorlösung verwendete, die ich aus 1 Reagenzglasrundung Kobalt-II-chlorid (CoCl2 x 6 H2O) und der doppelten Menge Seignettesalz in 1 ml 1N NaOH + 4 ml dest. Wasser hergestellt hatte (also ein Kobalt-Tartrat-Komplex). Es trat ein inital recht helles, rein hellblaues Leuchten auf, das langsam verblasste. Beim Schütteln oder Durchblasen von Luft leuchtete die Lösung jedoch jeweils von neuem für einige Sekunden deutlich heller, um bald wieder zu der vorigen schwachen Lichtaussendung zurückzukehren. Ob hier eine direkte Oxydation des Luminols durch den Luftsauerstoff stattfindet? Auch hier frischt erneute Zugabe kleiner Mengen H2O2 das Leuchten kurzzeitig auf.
Sehr intensiv ist auch die Lumineszenz unter Katalyse mit Hämin. Ich bin glücklicher Besitzer von etwas Häminchlorid. Davon habe ich eine Spatelspitze (geschätzt 3-5 mg) in 10 ml 1N NaOH gelöst, wobei eine tief olivgrüne Flüssigkeit entsteht. Bei Zutropfen der Häminlösung in die o.g. Wasserstoffperoxid-haltige alkalische Luminollösung treten schöne hellblau leuchtende Wolken auf.
Bei Zugabe von 0,5 ml der o.g. Lösung (ca 0,15-0,25 mg Hämin) und Umrühren entsteht ein intensives Leuchten, das nach etwa 1/2-1 Minute verblasst. Es gibt schon Unmengen von Bildern, die das Leuchten von Luminol zeigen - aber es ist einfach zu schön! Deshalb hier nochmal:
Wenn in diesem Ansatz das Leuchten erloschen ist, lässt es sich nicht wieder durch erneute Zugabe von H2O2 hervorrufen. Auch durch Zugabe von mehr Katalysatorlösung hatte ich keinen Erfolg, sondern erst, nachdem ich erneut alkalische Luminollösung zugesetzt habe.
Im Gegensatz zur Katalyse durch Kupfer oder Kobalt, scheint also hier das Luminol ziemlich rasch quantitativ verbraucht worden zu sein. Ich habe die Katalyse mit 10 µl der Häminlösung (= 3-5 µg Hämin!) auf 50 ml Luminollösung ausprobiert und sie funktioniert! Das Leuchten ist erstaunlich intensiv und hält länger an, als bei einer größeren Menge Hämin.
Meine Versuche geben mir - neben dem ästhetischen Genuß - ein uneinheitliches Bild der Wirkungsweise und Bedeutung des Katalysators bei der Luminol-Reaktion. Ich bin derzeit dabei, die Literatur ein bisschen nach Informationen diesbezüglich zu durchforsten. Demnächst werde ich euch darüber berichten.
Euer
lemmi
|
|
|
|
_________________ Lege, lege, lege,
ora, ora, ora,
relege, labora et inveniens! |
|