Entropie

Hier seit: 19.09.2005
Beiträge: 3053

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Obtainium hat geschrieben: Hab gerade bei chemieonline die folgende, schon ältere, aber zum Thema passende Diskussion gefunden.
Ist doch ganz interessant, wie manche Berufschemiker und Chemiestudenten so ticken.
Über die bin ich zufällig vor längerer Zeit in ganz anderem Zusammenhang bei einer Suche im Internet gestolpert
und war entsetzt. Wie kann man nur, während gerade die reinste Hexenjagd gegen viele tausend Chemikalienkäufer mit meist völlig
aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen im Gange war und die schlimmste Verschärfung der Abgabebestimmungen
seit 1945 droht, behaupten, das sei alles ganz richtig so, angemessen oder sogar noch viel zu lax!?!
WIe man der Meinung sein kann, die Vorschriften seien zu lax oder gerade richtig, wo schon seit fast 20 Jahren
sogar Unternehmen und Gründer mitunter ständig Probleme gerade mit einigen grösseren Anbietern haben,
und z.T. mit etwas Pech Schwierigkeiten haben, überhaupt noch beliefert zu werden, ist mir ein Rätsel.
Sowas kann nur schreiben, wer z.B. als Habilitand im Staatsdienst alles vom Staat organisiert bekommt,
bei einem Grosskonzern beschäftigt ist, der dank dessen weltbekannter Marke als sakrosankt anerkannt ist,
oder evtl. eine Apotheke betreibt, die auch weitaus vorsichtiger von Lieferanten und Behörden angefasst werden
als Gründungen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich.
Wieder andere sind vielleicht noch Schüler und meinen nach etwas Förderung vom Staat nach einem kleinen
Erfolg bei Chemieolympiade oder Jugend Forscht/Schüler Experimentieren, es sei alles in bester Ordnung in
unserem Staat und erhoffen vermutlich, das gehe reibungslos so bis zur Pensionierung weiter. Die ahnen auch noch nicht,
was für Folgen eine einzige Fehlentscheidung für einen falschen Betreuer einer Doktorarbeit für die Karriere im Staatsdienst
bedeuten kann...
Dass der Staat jedoch neuerdings auch noch ein unschönes ganz anderes Gesicht zeigt,
wenn Politiker Polizeibehörden auf Verwender von Chemikalien ansetzen, so weit denken die auch noch nicht,
zumal die Gegenseite diese skandalösen Instruktionen meist gut verborgen in Verschluß-
Sachen versteckt hält, die bei Strafandrohung kein Amtsträger verpfeifen darf, sofern nicht Teile aus politischem Kalkül
wohlwollend im Sinne dieser Behörden berichtenden Presseorganen von den Spitzenpolitikern zugespielt werden, wie
dies offenbar 2006 im Rahmen der NDR/SWR/WDR/Focus/Spiegel-Berichterstattung geschehen war.
Auch Schriftstücke aus den relevanten Prozessen durften übrigens nicht vorab veröffentlicht werden. Deshalb wurde
der Berliner Journalist B. Schröder, zunächst angezeigt von einem LKA oder BKA wegen Verstosses gegen § 52 WaffG
wegen öffentlichen Zitierens u.a. einer Anleitung aus dem Gattermann/Wieland, verurteilt.
Öffentlich kann man dann natürlich wunderbar Kritiker als paranoid beschimpfen, wenn keine Beweise gezeigt
werden können.
Mich wundert das auf eine Art wenig. Wenn ich mir meine ehemaligen Kommilitonen im Fach Chemie so ansah, dann
antworteten die z.B. auf die Frage, wieso sie Chemie studiert hatten: "Wieso nicht?". Von denen hatte bereits kaum jemand
zuvor experimentiert. Zugleich waren sie dann aber extrem neidisch bei Klausurergebnissen und Noten, wenn sie sahen,
dass die Leute, die selbst als Schüler experimentiert hatten, auf den ersten Plätzen lagen und überall Bestnoten hatten, die Leute
ohne privates Interesse gerade mal im guten Mittelfeld lagen.
Mit solchen Leuten bekommt man als Chemiker, wenn man Pech hat, später ein Ballett freudloser Komparsen,
die man evtl. für Verwaltungsaufgaben, als Geschäftsführer, als Lobbyist etc. einsetzen kann, als Forscher in
der Spitzenforschung jedoch wenig Erfolg haben wird, wenn deren Interesse und Engagement weiterhin fehlt.
Die kommen nicht auf die Idee und entdecken mal eben zwischendurch um 4:00 Uhr nachts nebenbei eine neue Klasse
von Verbindungen...
Ein extrem ärgerliches Streitgespräch über das Thema hatte ich vor längerer Zeit an anderer Stelle mit einem Mitarbeiter
eines japanischen Grosskonzerns. Der war tatsächlich der Meinung, dass z.B. auch freiberufliche Handelschemiker
auf keinen Fall noch irgendwelche Chemikalien besitzen dürften, da dies nach seiner (blödsinnigen) Ansicht die
"Innere Sicherheit" beeinträchtigen könnte, wenn so jemand ein paar Stoffe in seinem Haus und Betrieb besitzt,
die vor 20 Jahren noch jeder 3. Haushalt im Keller hatte. Als "Beleg" für möglichen Missbrauch durch freiberufliche
Chemiker führte er die angeblich so häufigen Fälle von Bombenbau an, die die Behörden in Schleswig-Holstein laufend
überall vermuten und melden.
Zwischen den Zeilen klang auch hier deutlicher Neid an, dass so jemand etwas erreichen könnte,
evtl. mehr als er als Dipl. Ing. in der Grossindustrie. Vielleicht hatte er auch bloss die Interessen seines japanischen
Arbeitgebers im Sinn, der zig Patente pro Jahr weltweit anmeldet. Dem könnte natürlich so ein Unternehmensgründer
in Deutschland auf gleichem Gebiet evtl. die eine oder andere wichtige Innovation wegschnappen, wenn er "zu leicht" (also
ähnlich unproblematisch wie in Japan am Firmensitz seines Brötchengebers) an Chemikalien käme...
Dann müsste der evtl. Lizenzgebühren an den deutschen Gründer zahlen und könnte nicht selbst ggf. Milliarden dafür kassieren...
Für den deutschen Staat brächte das ggf. viele Steuern, aber so weit denken unsere Umwelt- und Polizeibürokraten
ja nicht, wenn sie jetzt quasi propagieren, "so wenig Chemikalien in deutsche Unternehmen wie möglich".
Zitat:
Fazit aus der Diskussion dort ist für mich mal wieder die Bestätigung, daß wir Hobbychemiker bei den "Berufskollegen" keine Lobby haben. Diese Leute scheinen Chemie hauptsächlich wegen des Geldes und nicht aus Liebe oder Hingabe zu betreiben und Hobbychemiker tatsächlich als Bombenbastler und Drogenköche zu sehen.
Ich habe das schon bei der GDCh festgestellt, wie die heute über Experimente a la Römpp/Raaf referierten und
die als zu gefährlich hinstellten... Nun ja, wenn man zulässt, dass Stoffe wie z.B. Phenolphthalein, ehemals als
Wirkstoff als Abführmittel in Apotheken vertrieben, als SVHC gelistet werden und demnächst auch in Kleinstmengen
ausserhalb der wissenschaftlichen Forschung unter die Vorschriften der Art. 56ff. REACH fallen (Zulassungspflicht vor jeder Verwendung!)...
Dabei spielt auch das Sankt Floriansdenken eine wichtige Rolle. Manche Zeitgenossen wollen einfach nicht
wahrhaben, dass sich die Gesetze verändert haben. Die wollen sich gar nicht ausmalen, was das alles
anrichten kann. Augen zu und durch lautet bei denen die Devise. Das ist aber völlig falsch.
Zitat:
Äußerst interessant sind aber die Umfrageergebnisse, welche eigentlich im Gegensatz zum Haupttenor der Diskussion stehen.
Bedeutet für mich, daß dort etliche Hobbychemiker zwar abgestimmt, aber nicht in der Diskussion "geoutet" haben.
Frage ist, warum nur 
Vielleicht sind in dem Thread auch Meinungsäußerungen verschwunden, die den Moderatoren nicht passten!
Oder die Kritiker haben sich dort nicht getraut, da manche Moderatoren fast schon einschüchternd auftreten.
Die springen vermutlich sogar noch mit MPI-Direktoren kurz vor der Pensionierung um, als wenn es 5-jährige Kinder wären...
Uranylacetat hat geschrieben:
Was ich besonders nicht mag, ist die herablassende Art über uns Hobbychemiker; die einige an den Tag legen....
Wobei die Grenzen obendrein oft schliesslich fliessend sind, wenn Leute ihr ehemaliges Hobby heute als Beruf ausüben!
Deshalb ist das umso unverständlicher.
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